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Atomstrom – Grenzenloses Risiko

Fukushima hat uns deutlich gezeigt, dass für die Sicherheit eines Atomkraftwerkes niemals garantiert werden kann. Doch je unangenehmer uns die Abhängigkeit von fossilen Energiequellen anderer Länder wird, desto mehr gewinnt Kernkraft an Attraktivität.

Die EU ist der weltweit größte Energieimporteur. Rund ein Fünfzehntel der  Weltbevölkerung lebt in der EU und verbraucht ein Fünftel der weltweit verbrauchten Energie. Dieser Energiebedarf will gedeckt sein und so beläuft sich die jährliche Rechnung auf ca. 350 Mrd. €. Nicht zuletzt um unabhängig von den russischen Ressourcen zu werden, möchte die EU nun verstärkt in erneuerbare Energie investieren. Dabei werden ehrgeizige Ziele verfolgt: Bis 2030 soll der Ausstoß von CO² um 40 Prozent gesenkt werden.

“Es bleibt den Mitgliedstaaten selbst überlassen, welche Energiequellen sie entwickeln wollen”

So heißt es von Seiten der Europäischen Kommission. Die Länder müssten lediglich “die Europäischen Zielvorgaben für erneuerbare Energien berücksichtigen”. Eine Möglichkeit, den Ausstoß von CO² zu senken und so diese Vorgaben zu erreichen, ist Atomkraft. Während sich in Österreich alle Parteien, mehr oder weniger deutlich, von dieser Art der Energiegewinnung distanzieren, profitieren andere Länder vor allem wirtschaftlich von ihren Atomkraftwerken.

Grenzenloses Risiko

Natürlich wird versucht, durch EU-weite, einheitliche Kontrollen die Sicherheitsrisiken zu verringern, doch können diese nie ganz beseitigt werden. Nach dem Atomunglück von Fukushima haben etwa 700.000 Personen in Österreich eine Petition für einen EU-weiten Austritt aus der Atomenergie unterzeichnet. Trotzdem betreibt die Hälfte aller EU-Mitgliedsstaaten eigene Atomkraftwerke. Dabei tragen diese Länder das Risiko nicht alleine, auch ihre Nachbarn wären im Falle eines Unfalles betroffen.
Ganze acht Atomkraftwerke liegen in einem Umkreis von ca. 100 Kilometer von Österreich. Eines der nahegelegensten ist das Kraftwerk bei Bohunice in der Slowakei. Im Falle eines Supergaus wären die Auswirkungen wohl auch in Wien spürbar. Trotz des hohen Risikos und des klaren Nein zu Reaktoren im eigenen Land, bezieht Österreich schätzungsweise 6 Prozent seines verbrauchten Stroms von Atomkraftwerken. Zwar hat die österreichische Regierung vor einem halben Jahr beschlossen, den Import von Atomstrom zu beenden, doch steht dieser Beschluss gegen das europäische Freihandelsabkommen.

Gemeinsame Initiativen und Alternativen

Immerhin planen bereits mehrere Länder keine neuen Atomkraftwerke mehr zu errichten. Maßgebend könnte hier vor allem Deutschland sein, das momentan stark von atomarer Energie profitiert. Nach dem Supergau von Fukushima ging die Initiative, sich gegen Atomkraft auszusprechen, vor allem von der Europäischen Bevölkerung aus. Ganz unter dem Motto “Atomkraft – Nein Danke!”  wurden so mehrere geplante Projekte zum Neubau von Atomreaktoren zumindest vorläufig auf Eis gelegt.
So zeigt sich ein immer deutlicheres Interesse der Europäischen Bevölkerung an Strom aus erneuerbaren Ressourcen. Vielleicht hat sie schon vor der Europäischen Regierung erkannt, dass gemeinsame Klima- und Energieziele nur dann erreicht werden können, wenn man es nicht dem Zufall überlässt, wie die einzelnen Staaten ihren Verbrauch abdecken.

Foto by Louisa Manz (CC by-2.0), via youthmedia.eu

  • Rak

    “Im Falle eines Supergaus wäre von dem 100 Kilometer nahen Wien wohl auch nicht mehr viel übrig.” Ich glaube nein. Ist Ihnen bewusst, wieviele Verletzte und Tote es bei der Katastrophe von Fukushima gab? Auch wenn es sich jetzt ignorant und oasch anhört, aber die Österreicher sind zu dumm zu erkennen, dass Atomkraft ein viel kleineres Übel als z.B. Kohlekraftwerke im Übergang zu alternativen Energien darstellt.

    • Katrin Fallmann

      Vielen Dank für den Hinweis. Ich möchte mich gerne für diesen inhaltlichen Fehler entschuldigen.
      Er wurde bereits ausgebessert.

      Liebe Grüße
      Katrin