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Auf dem Weg nach Brüssel: Die SpitzenkanidatInnen für die EU-Wahl

Karas, Freund, Mölzer, Lunacek, Mlinar, Stadler, Haider – eines haben sie alle gemeinsam. Diese sieben Menschen kandidieren für ihre Parteien auf Listenplatz eins und wollen dieses Jahr alle (wieder) ins Europäische Parlament. 

Die meisten von ihnen haben bei der Wahl am 25. Mai reelle Chancen ihr Ziel zu erreichen. Nicht ganz so gut schaut es aber aktuell für Ewald Stadler aus. Der ex-FPÖ und ex-BZÖ Mann hat sich für den Verbleib im EU-Parlament gleich eine eigene Partei gegründet. Die Reformkonservativen (REKOS) werden zwar von den Christen (CPÖ) und den christlich-konservativen Jungen Europäischen Studenten (JES) unterstützt, ein Einzug ins EU-Parlament ist aber eher unwahrscheinlich.

Auch das was vom BZÖ sonst noch übrig geblieben ist, hat gemeinsam mit der MUTBürger-Partei ein Wahlbündnis geschlossen. Für Überraschung hat das Bündnis gestern mit der Bekanntgabe ihrer Spitzenkandidatin gesorgt. Ulrike Haider Quercia, die Tochter von Jörg Haider, wird die Liste anführen. Da das BZÖ aber aktuell weder im Österreichischen noch im Europäischen Parlament vertreten ist, müssen bis zum 11. April noch fleißig Unterstützungserklärungen gesammelt werden.

Aber selbst drei Monate vor der Wahl haben sich noch nicht alle Parteien auf eine Spitzenkandidatin oder einen Spitzenkandidaten geeinigt. So auch „Europa anders“  – das linke Wahlbündnis von KPÖ, Wandel und Piratenpartei – wird bei seinem Gründungskongress am 1. März den oder die Spitzenkandidatin ermitteln. Der parteiunabhängige EU-Parlamentarier Martin Ehrenhauser, der bei der letzten Wahl noch auf der Liste von Hans Peter Martin kandidierte, unterstützt das Bündnis und würde zum ersten Listenplatz wohl nicht nein sagen. Durch die Unterstützung von Ehrenhauser ist die Kandidatur zwar gesichert das Bündnis hat sich aber dazu entschieden trotzdem Unterstützungserklärungen sammeln zu wollen.

Angelika Werthmann, die 2009 ebenfalls über die Liste Martin ins EP kam, wollte kurzzeitig bei den NEOS andocken, zog Ende Jänner aber ihre Kandidatur bei  den Vorwahlen zurück. Auch Hans Peter Martin selbst will wieder kandidieren, die ersten Umfragen sind für ihn aber wenig aussichtsreich.

Und die obligatorische  Anti-EU-Partei darf bei der EU-Wahl natürlich auch nicht fehlen.  Das Wahlbündnis EU-Stop, bestehend aus der EU-Austrittspartei (EUAUS) und dem Bündnis Neutrales Freies Österreich (NFA), muss auch noch fleißig Unterschriften sammeln.

Wer diesmal aller Voraussicht nach nicht dabei sein wird, ist das Team Stronach. Der Parteichef  würde sich dafür eine unabhängige Person wünschen, die anerkannt sei und ein gutes Standing habe. Diese habe er aber, laut APA-Meldung vom 2.2. 2014, derzeit aber “nicht im Kopf.”


SPÖ
: Eugen Freund

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Der wohl bekannteste Spitzenkandidat dieser Wahl wurde von der SPÖ direkt aus dem Zeit im Bild-Studio auf die Wahlliste geholt. Freund, der in Kärnten aufwuchs und dort auch die Schule besuchte, startete seine journalistische Karriere bei den Kärntner Nachrichten bevor er zum Nachrichtenmagazin „profil“ weiterzog. Als Pressesprecher des damaligen Außenmisters Willibald Pahr – ebenfalls ein parteiloser, der von der SPÖ in die Regierung geholt wurde – sammelte Freund erste politische Erfahrungen, bevor er ab 1979 in New York für den Österreichischen Presse- und Informationsdienst arbeitete. Nach seiner Rückkehr nach Österreich arbeitete er beim ORF unter anderem als Korrespondent und später Büroleiter in Washington D.C. und in verschiedenen Auslandsredaktionen (ZIB, Weltjournal), bevor er von 2011 bis 2013 die Zeit im Bild moderierte.


ÖVP: Othmar Karas

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Vom Obmann der Union Höherer Schüler zum Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments. Karas hatte in seinem Leben schon eine Menge politischer Ämter inne, aber hat auch in der Privatwirtschaft Erfahrungen gesammelt. Der Magister der Politikwissenschaften war beispielsweise parallel zu seiner Zeit als Nationalratsabgeordneter auch stellvertretender Generalsekretär der Bundesländer-Versicherung (heutige UNIQA), bevor er 1995 ÖVP-Generalsekretär wurde.  Karas konnte sich schon früh für die europäische Idee begeistern.  1985 stellte er als erster einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft im Nationalrat. Seit 1999 ist Karas Abgeordneter im Europäischen Parlament, wo er 2011 die Leitung der ÖVP-Delegation von Ernst Strasser übernahm, der auf Grund der sogenannten „Lobbyisten-Affäre“ zurück trat.


FPÖ: Andreas Mölzer

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Nach begonnenem Jus- und Geschichtestudium war Mölzer seit 1983 für verschiedene freiheitliche Medien tätig und schrieb Kolumnen für die Tageszeitung Die Presse und für die Kronen Zeitung. Von 1999 bis 2001 war er unter Jörg Haider Kulturbeauftragter für den Kärntner Landtag. Bei der EU-Wahl 2004 erreichte er 22.000 Vorzugsstimmen und drängte damit den eigentlichen Spitzenkandidaten, Hans Kronberger, aus dem Rennen. Während seiner bisherigen Zeit im EU-Parlament zog er des Öfteren die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit auf sich, beispielsweise als er sich 2005 bei der Abstimmung über die Entschließung des Europäischen Parlaments zum Gedenken an den Holocaust sowie zu Antisemitismus und Rassismus seiner Stimme enthielt. Seine Stellungnahme zu seiner Enthaltung brachte ihm große Kritik vom damaligen FP-Parteichef Herbert Schneider und dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ein.


Grüne
: Ulrike Lunacek

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Eine starke Frau, die es weit gebracht hat. Nach ihrem DolmetscherInnenstudium in Englisch und Spanisch war sie am Aufbau des Frauenhauses Innsbruck beteiligt und arbeitete dort auch ehrenamtlich. Sie arbeitete immer wieder freiberuflich als Journalistin, Referentin und Dolmetscherin. 1999 wurde sie in den Nationalrat gewählt, war stellvertretende Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses und die erste lesbische Abgeordnete zum Nationalrat. Auch war sie für den Klub der Grünen die Sprecherin für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transgender Personen. 2009 war sie die Spitzenkandidatin für die EU-Wahlen, bei denen sie auch nominiert wurde. Im Europäischen Parlament ist sie die Europasprecherin der Grünen, Vizepräsidentin und außenpolitische Sprecherin der Grünen/EFA-Fraktion.


NEOS
: Angelika Mlinar

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Die neue Nationalratsabgeordnete studierte in Salzburg Rechtswissenschaften und machte ihren Master an der American University in Washington D.C.. Erste Erfahrung mit der Politik machte Angelika Mlinar als Assistentin von Friedhelm Frischenschlager im Europäischen Parlament. Dort waren ihre Aufgabengebiete Menschenrechte, Justiz und europäische Zusammenarbeit beim Strafrecht. Danach machte sie sich mit ihrem eigenen Unternehmen, einer Keksfabrik namens Angelski keksi(link) selbstständig. Mlinar leitete 2008 den Wahlkampf des damaligen Spitzenkandidaten des Liberalen Forums Rudolf Vouk. Ein Jahr später wurde sie Parteivorsitzende des LIF und zog letztes Jahr mit dem Wahlbündnis NEOS in den Nationalrat.