Von links nach rechts:
Martin Schulz, Ska Keller, Guy Vorhofstadt, Jean-Claude Juncker

#EUdebate2014

Während der ORF gleich auf zwei seiner Sender Sport übertrug, konnte man die Diskussionsrunde zwischen den SpitzenkandidatInnen der vier führenden EU-Fraktionen auf Twitter und per Livestream in mehreren Sprachen mitverfolgen.

Eineinhalb Stunden dauerte die Diskussion. Dabei blieben jedem Kandidaten und der Kandidatin meist nur etwa 30 Sekunden Zeit, um eine Frage zu beantworten, die von den Zuschauenden im Studio oder auf Twitter gestellt worden war. Durch die kurzen Antworten ergaben sich aber nur wenige überraschende Inhalte oder spannende Auseinandersetzungen.

Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit

So wurde während der ersten halben Stunde ausschließlich über Wirtschaft gesprochen. Und auch hier waren sich alle einig: Arbeitsplätze wolle man schaffen. Für das “Wie?” blieb in den 30 Sekunden-Antworten aber schon wieder keine Zeit mehr.

Im Vergleich zu den Medienberichten der letzten Tage, fiel die Debatte über die Ukraine eher kurz aus. Ein anderes Thema, das aufschlussreicher diskutiert wurde, war dafür die Machtverteilung zwischen dem europäischen Parlament und der europäischen Kommission, wobei auch hier große Einigkeit zwischen den KandidatInnen herrschte. Martin Schulz, Spitzenkandidat der Party of European Socialists (PES), meinte man müsse die Macht besser zwischen den unterschiedlichen europäischen Institutionen verteilen, während Guy Verhofstadt (Alliance of Liberals and Democrats for Europe, ALDE) den momentanen Kommissionspräsidenten Barroso kritisierte, der nur dann handele, wenn er schon im Voraus “grünes Licht” bekäme.

“I don’t think we need a European Energy Union”

Zur Energiepolitik der EU meinte Ska Keller, Spitzenkandidatin der European Green Party (EGP), man müsse mehr in alternative Energie investieren – Möglichkeiten gäbe es dazu in Europa genug. Wo hingegen Jean-Claude Juncker, Spitzenkandidat der European People’s Party (EPP), sich gegen ein gemeinsames Energie Konzept äußerte.

Als es  um rechte Parteien Europas ging, überraschte er dann aber doch, in dem er Mitgliedsparteien der EPP und vor allem Silvio Berlusconi persönlich für seine Äußerungen kritisierte und klar verneinte mit rechts-populistischen Parteien eine Koalition eingehen zu wollen.

#EUdebate2014 – 10.000 Tweets pro Minute

Weitaus aufschlussreicher als die übertragene Diskussion waren die Debatten und Kommentare, die auf Twitter zu lesen waren. SpitzenkandidatInnen führten den Inhalt ihrer Antworten aus, wenn dieser über 30 Sekunden hinaus ging, Zuschauer und Zuschauerinnen stellten Fragen, bewerteten das Auftreten der einzelnen Personen, starteten eigene Diskussionen. So kam es, dass  #EUdebate2014  während der Übertragung der am häufigsten verwendete Hashtag  in Österreich war und insgesamt 10.000 mal pro Minute verwendet wurde.

Guy Verhofstadt – Der Gewinner des Abends

Neben den SpitzenkandidatInnen twitterten auch andere Europäische Organisationen fleißig über die Debatte. So verkündete Europarl2014 kurz vor Mitternacht, Guy Verhofstadt (ALDE) würde zwischenzeitlich eine Umfrage klar mit 55 Prozent anführen, gefolgt von Ska Keller (EGP) mit 19 Prozent. Dahinter kommt Martin Schulz (PES) mit 17 Prozent. Schlusslicht bildet der bisherige Favorit Jean-Claude Juncker mit nur 9 Prozent.

“Wo war da jetzt die Debatte? Alle stimmen über alles überein, außer darüber, dass es die anderen auch tun.”

Am Ende des Abends kann man diese Frage, die sich bestimmt nicht nur Rafael Buchegger auf Twitter gestellt hat, nur mit Twitter beantworten. Der Inhalt, der in der eigentlichen Diskussion gefehlt hat, hat hier Platz gefunden. Auch aber die Enttäuschung, dass öffentliche Sender – sowohl in Österreich, als auch in Deutschland – die Diskussion nicht übertragen haben. Immerhin hat die europäische Bevölkerung damit deutlich gezeigt, dass ihr eine gemeinsame Politik mehr bedeutet, als man ihr bisher vielleicht zugetraut hätte.

Die nächste #EUdebate2014 wird voraussichtlich am 15. Mai stattfinden.