Eugen Freund – Ein Journalist wechselt die Seiten

Bis vor ein paar Tagen wurde noch über den Pensionsantritt des ZiB-Moderators gesprochen. Am 9. Jänner wurde dann erstmals bekannt, dass Eugen Freund als Spitzenkandidat bei den EU-Wahlen für die SPÖ antreten soll. Eine spontane Entscheidung, so heißt es. Den Vorschlag zu kandidieren habe ihm Faymann erst drei Tage zuvor gemacht. Doch wie kommt man als Journalist ins EU-Parlament?

Seine journalistische Karriere begann Freund 1972 als freier Mitarbeiter des “Profils”. Sein Fachgebiet: Innenpolitik. Beruflich kam er 1978 das erste Mal mit Außenpolitik in Berührung, als er ein Jahr lang als Pressesprecher für den damaligen Außenminister arbeitete. In den folgenden Jahren beschäftigte sich Freund folglich vorwiegend mit Innen- sowie Außenpolitik. Seine ORF-Karriere begann er im Jahr 1986 als Moderator und war bald für die beiden genannten Themenbereiche zuständig. Dabei hatte es ihm außenpolitisch vor allem die USA angetan. Von 1997 – 2001 leitete er das ORF-Büro in Washington. Als ZiB-Moderator begann er erst wieder 2011.

Am letzten Tag des alten Jahres musste er dann seine letzte ZiB-Sendung moderieren, bevor er in Pension ging – oder gegangen wurde. Schon ein paar Tage später saß er dennoch wieder in einem ZiB-Studio – doch diesmal als Gast, um offiziell seine Kandidatur für die SPÖ bekannt zu geben. Schon Ursula Strenzel hatte 1996 erfolgreich vorgezeigt, wie man als Ex-ORF-MitarbeiterIn eine Partei zu den EU-Wahlen führt. Nun will Eugen Freund es ihr nachmachen und nach seinem Buch „Brennpunkte der Weltpolitik“ persönlich in diese einsteigen.

Nach seiner unfreiwilligen Pensionierung durch den ORF hat sein Wechsel in die Politik nun eine Welle an Diskussionen ausgelöst, wie unabhängig Journalismus und Politik voneinander sind und sein sollten. Gerade in dieser Frage spielt Freund natürlich nun eine große Rolle. KritikerInnen, wie beispielsweise Ex-Kollege Armin Wolf, sehen ihn hauptsächlich als WählerInnenmagneten, anstatt als politischen Akteur. Wie sehr er der SPÖ als Spitzenkandidat tatsächlich nutzt, wird sich am Wahltag zeigen.

Alter: 62 Jahre

Geburtsort: Wien

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Ausbildung: hat Medizin, Geschichte u. Theaterwissenschaft an d. Universität Wien studiert

Auszeichnungen:

  • Bester Auslandsjournalist des Jahres, “Der Journalist” (2008)
  • Verleihung des Berufstitel “Professor” durch das BMUKK (2013)

Publikationen:

  • “Mein Amerika” (2001)
  • “Präsident Obama – Der lange Weg ins Weiße Haus” (2008)
  • “Brennpunkte der Weltpolitik – Wie alles mit allem Zusammenhängt” (2010)
  • “Die Zeit in Bildern – Vier Jahrzehnte fotografisch dokumentiert” (2011)
  • “Der Tod des Landeshauptmanns” (2013)

 

Matthias Rinnerbauer Matthias Rinnerbauer