Foto des Parthenon in Athen im September 2005

Griechenland – Ein zerplatzter Traum?

Mit zahllosen Buchten, hochaufragende Bergen und die nur da und dort von Tälern unterbrochenen Bergketten Thrakiens und Makedoniens,  so präsentiert sich uns dieses herrliche Land. Ein Land reich an Formen und Farben und einer überwältigenden Pflanzenvielfalt. Ein Land, das aus dem „Vollem“ schöpfen kann, bedingt durch günstige klimatische Verhältnisse, eingebettet zwischen Europa und Afrika und mit nahezu 3 000 Sonnenstunden im Jahr eines der sonnenreichsten Länder im Mittelmeer.

Frühjahr 2010. Griechenland steht vor dem Staatsbankrott. Die Schulden des Landes sind auf mehr als 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung gestiegen – ein Niveau, das den Investoren an den Finanzmärkten nicht mehr tragbar erscheint. Zinsen auf Anleihen, mit denen sich der griechische Staat finanzieren muss, steigen in schwindelerregende Höhen. Im Eilverfahren schnüren die Staats- und Regierungschefs der EU ein milliardenschweres Hilfspaket, um Griechenland von den Finanzmärkten abzukoppeln. Die Politik ringt mit den Märkten, gegen die Spekulanten ansteuernd.

Rund vier Jahre und zwei Rettungspakete später sind die Spekulanten nun die große Hoffnung für Griechenland.  Im April gelang der Regierung in Athen die spektakuläre Rückkehr des Landes an die Kapitalmärkte.Viele Investoren haben im Vorfeld Kaufbereitschaft für griechische Staatspapiere signalisiert.  Das Land hat unter dem Druck der internationalen Geldgeber ein gigantisches Sparprogramm durchgezogen und versucht, die bisher gängigen Strukturen in Wirtschaft und Verwaltung aufzubrechen. Ziel: Von den gigantischen Schulden runterkommen.

Ist das Schlimmste überstanden? Ökonomen sind skeptisch – sie schließen nicht aus, dass die öffentlichen Gläubiger, allen voran die Euro-Staaten, die über den Rettungsfonds ESM einen Großteil der griechischen Schulden besitzen, entweder doch noch auf einen Teil des Geldes verzichtet werden müssen, oder aber die Rückzahlung sich so weit nach hinten verschiebt, dass die nächste Generation das Problem erbt. Aber wie erleben das die Menschen vor Ort? Sehen sie Handlungsmöglichkeiten, Zukunftsperspektiven, etwas was Hoffnung macht?

Politisch dominieren seit den siebziger Jahren zwei große Parteien: Die konservative Neue Demokratie und die sozialistische Pasok. Das politische System wurde durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ordentlich erschüttert, denn es hat Griechenland in den Augen vieler BürgerInnen in den Ruin getrieben. Neue politische Gruppen schießen daher aus dem Boden, mit  neuen Hoffnungen und neuen Versprechen. To Potami - was soviel wie „Fluss“ bedeutet – ist gerade einmal zwei Monate alt und bereits drittgrößte Partei. Sie hat keine Zentrale, keine Parteiorgane oder größere Geldgeber und kein einziger professioneller Politiker ist an ihr beteiligt.

Stavros Theodorakis, ein prominenter und anerkannter Fernsehjournalist, steht der Partei vor. Er hat seinen Job gekündigt, um Politiker zu werden. Er verspricht einen Bruch mit dem bisherigen, in seinen Augen ineffizienten und korrupten politischen System. Sein Leitspruch ist, nicht mehr zu jammern, sondern die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – und erntet damit viele Sympathien.  “Wir haben die Situation im Land so satt, diesen ganzen Wahnsinn. Wir wollen etwas verändern”, sagt Christina Tachiaou, eine Journalistin und Mitstreiterin von Theodorakis.

Griechenland erholt sich langsam von der Zäsur der letzten Jahre. Die Staatsverschuldung sinkt langsam, seit letztem Wochenende hat gibt es auch wieder einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Gänzlich wird Griechenland aber in den nächsten Jahren trotzdem noch nicht auf die Unterstützung der anderen EU-Länder verzichten können.

Ich wünsche dem Land und den Menschen alles Gute in dieser schwierigen Zeit!