Festa_San_Gejtanu,_Hamrun,_Malta

Malta: Festa- und Flüchtlingsland

Religion spielt auf Malta eine wichtige Rolle. 98 Prozent sind katholisch, aber haben die MalteserInnen deshalb wirklich für jeden Tag des Jahres eine eigene Kirche? Welche Vorteile bringt die EU aus Sicht der BewohnerInnen? Und wann feiert man eigentlich so richtig ausgelassen auf Malta? Ein Blick hinter die Kulissen des Traumurlaubsziels.

Touristische und religiöse Hochsaison

Der Sommer ist auf Malta eine schöne Zeit. Nein, nicht nur wegen des heißen und zugleich feuchten Klimas der Strände, auf denen man auch in der Hauptsaison einen ruhigen Platz für sich finden kann. Oder der besonders herzlichen Offenheit der MalteserInnen. Der Sommer ist die Zeit der religiösen Feste und Umzüge. Von Juli bis September feiert fast jede Woche ein anderes Dorf seinen Patron. Genannt wird diese maltesische Tradition Festa. Und wenn auf Malta gefeiert wird, dann richtig. Der gesamte Ort putzt sich mit der neuesten Festtagsmode heraus, um bei den Festmessen zu zeigen was man zu bieten hat. Die Ortskapelle spielt auf. Man isst und trinkt zusammen, zum Beispiel die typischen Pastizzi (mit Käse gefüllte Blätterteigtaschen), das heimische Bier CISK oder Kinnie (Softdrink, Kräutersaft) ein Getränk, das es nur auf Malta gibt. Und man bestaunt das Feuerwerk, das auch ein wichtiger Teil dieser Feste ist. An der Tradition der Festa erkennt man den ganz eigenen Nationalstolz der MalteserInnen. Bräuche, Sitten und Traditionen sind auf Malta immer schon wichtig gewesen.

Dessen ist sich die jüngere Generation auch durchaus bewusst, was sicher auch ein Grund für den hohen Stellenwert der katholischen Kirche ist. Hannah lebt in Wien, ihre Verwandten kommen aber aus Gozo. “Ich versuche schon jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, das gehört für mich dazu. Wenn ich aber mit meinen Cousinen darüber rede, meinen sie, dass sie es bedauernswerterweise nicht jeden Tag in die Kirche schaffen, was sie aber gerne täten!” Der regelmäßige Kirchgang ist auf Malta ein Teil des täglichen Lebens. Bei den Jungen genauso wie bei der alten Generation. Sicherlich ist der Kirchenbesuch kein großer Aufwand, denn jeder Ort hat eine eigene Kirche. Mindestens. Auch Nadur, der Ort aus dem Hannahs Verwandte kommen und geschätzte 300 EinwohnerInnen und 2.000 Kühe hat. Das es insgesamt 365 Kirchen auf Malta gibt, also theoretisch für jeden Tag des Jahres eine, ist aber reiner Zufall.

Dieses Traditionsbewusstsein hat aber auch eine Kehrseite. Erst vor zwei Jahren ist die Scheidung gesetzlich möglich gemacht worden, Abtreibung ist strikt verboten. Homosexualität wurde zwar 1973 legalisiert, ein Antidiskriminierungsgesetz, dass die Situation für Homosexuelle in den Bereichen Beschäftigung, Bildung, Gesundheitswesen und Dienstleistungen verbessern soll, wurde aber erst 2004 auf Druck der EU beschlossen. Der aktuelle Premierminister hat sich zum Ziel gesetzt bis Ende 2014 eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare zu ermöglichen. Bis die Gleichstellung auch in den Köpfen ankommt, wird es aber wohl noch länger dauern.

MalteserInnen sehen die EU grundsätzlich positiv

Durch den EU-Beitritt 2003 konnte die Infrastruktur ausgebaut werden. Die Kulturschätze und das Weltkulturerbe auf Malta wurden durch EU-Gelder restauriert, darunter auch viele Kirchen und Tempel. Valletta, die Hauptstadt Maltas, wurde zum Weltkulturerbe ernannt und wird 2018 die Kulturhauptstadt Europas sein.

Das einzig problematische Thema, bei dem sich die MalteserInnen von der EU allein gelassen fühlen, ist die aktuelle Flüchtlingsproblematik. Auch wenn es nicht oft in den Medien zu hören oder zu sehen ist, auf Malta sind die Flüchtlingslager überfüllt. Es fehlt an Geld und Platz um den Flüchtlingsanstürmen gerecht werden zu können. Malta ist als kleinstes EU-Mitglied mit der Menge der Flüchtlinge, die vor allem aus Syrien kommen, überfordert und wünscht sich Hilfe. Die Angst davor, dass die ansässigen MalteserInnen ihre Arbeitsplätze verlieren könnten, nimmt mit der Anzahl der Flüchtlinge zu. Der ohnehin begrenzte Platz auf der Insel wird noch enger. Die christlichen Werte stoßen bei diesem Thema an ihre Grenzen, und die Feindlichkeit gegenüber Fremden und Flüchtlingen wächst.

Vielleicht wird sich das Gefühl, von der EU alleine gelassen zu werden aber 2017 ändern, da hat Malta nämlich den EU- Vorsitz.

Steckbrief

Malta ist seit 1. Mai. 2004 Mitglied der Europäischen Union und mit einer Fläche von lediglich 316 km² das kleinste Land im Staatenbund.

Mitglied der Eurozone: Ja

EU- Abgeordnete: 5

Kommissar: Toni Borg (Gesundheit und Verbraucherschutz)

Vertreter im Europäischen Rat: Joseph Muscat, Premierminister

Hauptstadt: Valletta

EinwohnerInnenzahl: 417.608

Bevölkerungsdichte: 1321/ km²

Amtssprache: Maltesisch, Englisch

Autochthone Minderheiten: Briten

Foto by Anett Pfeiffer (cc by-nc)

  • Andreas Knafl

    Du machst einem Malta richtig schmackhaft :) und hast tolle Argumente aufgebracht!!
    bin begeistert!! :D

    • Anna Schwarzinger

      Dankeschön! :)

  • Jenny Zeman

    Voll cool Anna! :) Ich hab gar nicht gewusst, dass sie in Malta so religiös sind. Toll!!

  • Linda Elend-Schober

    Liebe Anna!

    Echt professionell, dein Artikel! Hab’ viel dazugelernt über dieses Land, von dem ich bis jetzt nur die Euromünzen gesammelt hab’. Man sollte sich wirklich mehr über Hintergründe, Sitten, Bräuche, Traditionen und die politische Situation der Eu- Mitgliedsländer informieren.
    Über Malta hast du das echt toll gemacht! Freu’ mich schon auf deinen nächsten Artikel! Weiter so!!!

  • Norbert Wachter

    Gut gemacht, Exschülerin! ;-) hab richtig Lust bekommen, hinzufahren! Wünsch dir einen schönen langen Sommer! N