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Neutrales Netz

Netzneutralität beschert als Begriff schon seit mehreren Jahren Internet-AktivistInnen Albträume. Doch während sie seit Anbeginn versuchen, den Rest der Netzwelt davon zu überzeugen, dass das Thema alle angeht, scheiterten sie bisher an der scheinbaren Abstraktheit des Themas.

Netzneutralität ist die Forderung, dass alle Leitungen ins Netz gleich sein sollen. Aber das sind sie doch schon jetzt nicht, möchte man meinen: Ein Modem ist langsamer als ein Breitbandanschluss ist langsamer als ein Faserkabelanschluss. “Ja, aber” musste man als Verfechter der Netzneutralität antworten und die Erklärungsversuche wurden Abstrakt: Das YouTube Video im Modemanschluss lädt mit der selben (langsamen) Geschwindigkeit, wie das Vimeo Video und das ist gut so.

Dann kam die Drosselkom Debatte in Deutschland, die die Sache schon konkretisierte. Die Telekom verkündete 2013 Pläne, Downloads auf monatlich 75GB beschränken zu wollen, wobei ihre eignen Services (etwa eine YouTube alternative) von diesen Limits ausgenommen werden würden.  Nach heftigen Protesten ruderte die Telekom großteils zurück und wird, sollte sie zukünftig Limits einführen, die Servicepakete nicht mehr Flatrate nennen. Die Gefahr ist also noch nicht gebannt. Doch auch hier stand das Pro-Netzneutralitätsargument noch auf unsicheren Beinen: Immerhin haben Mobilfunkbetreiber ähnliche Verträge. Dort ist sogar schon nach 1 GB die Geschwindigkeit weg.

Doch seit gestern Nacht gibt es in den USA den Wirklichkeit gewordenen Worst-Case: Seit gestern bezahlt ein Internetservice (der durch House Of Cards auch hierzulande bekanntgewordene Videodienst Netflix) einem Internetprovider (Comcast) Geld, damit Menschen, die ihr Internet über Comcast beziehen, in der selben Qualität Netflix sehen können, wie Menschen die ihr Internet von einem anderen Anbieter haben.

In den Tagen zuvor hatte Comcast Netflix erpresst, indem sie die Videoqualität von Netflix-Serien verschlechtert hatten. Das liegt nicht am vorgeschobenen Argument, Netflix würde zu viel Bandbreite verbrauchen, sondern eher daran, dass Comcast zur NBC Gruppe gehört und damit in der Fernsehserienbranche in direkter Konkurrenz zu Netflix steht.

Wenn dieses Modell Schule macht, dann gibt es zwei Szenarien: Entweder Internetservices verlangen je nach dem mit welchem Internetprovider man im Netz surft mehr Geld. Oder Internetprovider verlangen das Geld einfach direkt und sagen: Wenn du Skype willst, zahl 5 Euro extra. Wenn du Wikipedia willst 10 Euro, dafür bekommst du Facebook gratis, aber für Google+ mit Hangouts zahlst du 15 Euro extra.

Bei Netzneutralität geht es also nicht um Modem oder Breitband. Es geht darum, ob NutzerInnen jedes Service im Netz zur gleichen Geschwindigkeit verfügbar ist. Und dann sollte man noch wissen, dass heute im Industrieausschuss des Europaparlaments darüber abgestimmt wird, ob Netzneutralität ein europäischer Wert ist oder ob Internetanbieter bestimmen dürfen, was im Netz Bedeutung hat und was nicht.

Wer sich fragt, was er oder sie tun kann, um Netzneutralität zu erhalten, findet auf http://savetheinternet.eu/de/ mehr Information und Handlungsoptionen.