Credit: Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich/APA-Fotoservice/Preiss

New Narrative: Die neue Erzählung einer ‘ever-closer union’

In Zeiten wie diesen, wo wir im täglichen Leben mit Zweifeln an der EU konfrontiert sind und oft die Frage nach dem Sinn eines gemeinsamen Europas gestellt wird, hat die Europäische Kommission eine Initiative ins Leben gerufen, um dem europäischen Geist neues Leben einzuhauchen. Bei einer Veranstaltung, im Rahmen der Initiative ‘New Narrative – Ein neues Leitmotiv für Europa‘, hatten junge ÖsterreicherInnen die Möglichkeit, ihre Vision eines zukünftigen Europas zu präsentieren und gemeinsam zu diskutieren. An kritischen Stimmen fehlte es aber leider, denn gerade die, die am meisten zweifeln und kritisieren, waren nicht anwesend, um sich in die Diskussion einzubringen.

Die Initiative

Vor dem Hintergrund, nach zukunftsweisenden Ideen suchen zu wollen, hat der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, diese Initiative ins Leben gerufen. Junge EuropäerInnen sollen mit ExpertInnen, KünstlerInnen und Intellektuellen in den Dialog treten und gemeinsam ein ‘New Narrative’ erarbeiten, also die Zukunft Europas neu erzählen.

Die Ergebnisse dieser Diskussionsveranstaltungen, die in vielen EU-Ländern stattfinden – also auch das, was in den Räumen des Museumsquartiers am 21. Jänner erarbeitet wurde – werden dem EU-Kommissionspräsidenten vorgelegt werden. Meiner Meinung nach ein wirklich besonderes Zeichen. Für eine Generation, der es oft schwer fällt, sich mit den Werten eines vereinten Europas zu identifizieren, war diese Veranstaltung eine ideale Gelegenheit, um ein Stück mehr über die eigentlichen Werte der EU zu erfahren und Impressionen für das tägliche Leben zu sammeln.

Impressionen

Auch ich persönlich konnte einiges mitnehmen, ein Stück wachsen. So wurden verschiedenste Sichtweisen und neues Wissen vermittelt. Dinge, die man im Alltag kaum erlebt, sondern die direkt durch den Dialog entstanden sind. Ich habe mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, dass es ja doch eigentlich gemeinsame Werte braucht, um in einer gemeinsamen Union zu leben. Außerdem war mir nicht wirklich bewusst, dass auch der Weg ein wunderbares Ziel sein kann. Die Formulierung ‘an ever-closer union’ bekam damit eine ganz andere Bedeutung für mich. Den alternativen Arbeitsansatz, den ich in der Gruppe von Miguel Herz-Kestranek miterleben durfte, habe ich sehr geschätzt. Wir kamen beispielsweise durch Brainstorming im Sitzkreis auf Verantwortung zu sprechen. Ein Begriff, der den restlichen Abend, und mich ganz persönlich, prägte.

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Botschafter Dr. Martin Eichtinger, Leiter der Kulturpolitischen Sektion im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten

Verantwortung

Um sich mit einem neuen Europa zu identifizieren, einem Europa mit Werten, zu denen man auch einen persönlichen Bezug herstellen kann, muss man sich seiner eigenen Verantwortung bewusst sein. Man muss Verantwortung übernehmen und sich über Werte im Klaren sein, nicht nur als Europäische Union, sondern eben auch jeder für sich selbst.

Verantwortungsdefizite, wie fehlende Solidarität, in Bereichen wie Nachhaltigkeit oder Asylpolitik, sind nicht nur eine Bringschuld der EU, sondern auch eine Holschuld unsererseits. Oft werden diese Verantwortungsdefizite aber dann in Richtung EU abgeschoben. In manchen Fällen zu Recht, oft läge es aber auch bei den Nationalstaaten Verantwortung zu übernehmen. Aber auch wir als BürgerInnen könnten uns jeden Tag für die Zukunft der Gemeinschaft mitverantwortlich fühlen, und vielleicht doch ein klein bisschen nachhaltiger leben.

Dementsprechend finde ich es besonders schade, dass gerade die KritikerInnen gefehlt haben. Die, denen es am schwersten fällt, sich mit den Werten der EU zu identifizieren, sich aber trotzdem nicht in den Dialog einbringen und statt dessen negative Stimmungen schüren.

Ein Appell

Und genau hier könnte man ansetzen und persönlich, bewusst Verantwortung übernehmen. Es gilt gerade diese KritikerInnen zu erreichen, die auf Veranstaltungen, bei denen sie sich aktiv in die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft in der EU einbringen könnten, leider selten anzutreffen sind. Man muss mit ihnen ins Gespräch kommen und sie auch wirklich  überzeugen. Oder eben ihre Kritik annehmen, darauf eingehen und zusammen eine neue Geschichte erzählen.

Deshalb muss ich an dieser Stelle auch an alle KritikerInnen appellieren, die nächste Möglichkeit zu ergreifen und an ähnlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Denn man kann schon mit solchen Kleinigkeiten einen großen Beitrag leisten.

Obwohl kritische Stimmen gefehlt habe, ist es den VeranstalterInnen wirklich gelungen, eine neue Erzählung zu starten. Sowie es den TeilnehmerInnen gelang, Verantwortung zu übernehmen und einen Dialog herzustellen. Und genau diesen Dialog muss man nun nutzen, um gleich zuallererst die KritikerInnen einzubinden, um zusammen weiter die Geschichte der ‘ever-closer union’ zu erzählen.

Foto-Credit: Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich/APA-Fotoservice/Preiss