Titelbild-Plakate

Plakativ

Jetzt sind es nur mehr wenige Tage bis zur Wahl und euch sind bestimmt schon die vielen verschiedenen Plakate aufgefallen, die den Straßenrand in den letzten Wochen in ein buntes Bildermeer verwandelt haben. Wir haben uns deshalb gedacht, wir spielen damit mal ein bisschen Karten und schauen wer gewinnt.

Soziale Werte als Exportschlager

Die Plakate der SPÖ wirken eher langweilig, einfallslos und vielleicht sogar etwas altmodisch: immer dasselbe bzw. ähnliche Bild des Spitzenkandidaten Eugen Freund vor immer dem gleichen weiß-blauen Hintergrund und roter Schrift. In den Slogans wird der Fokus vor allem auf die sozialen Grundwerte gesetzt. Erstens sei die Partei an sich sozial und zweitens sei Österreich so sozial, dass diese sozialen Werte in ganz Europa verbreitet werden sollten. Slogans wie “Soziale Werte aus Österreich. Für Europa” oder “Sozial statt egal” klingen zwar ganz nett, doch die Kreativität und Originalität lässt zu wünschen übrig. Das Reimen sollte die SPÖ in Zukunft zwar wieder der FPÖ überlassen, insgesamt wird aber ein seriöser und ernsthafter Eindruck der Partei vermittelt der allerdings eher unscheinbar daherkommt. Vorteil: Die Plakate fallen zumindest nicht negativ auf.

SPÖ-Zusammenschau

Gut, Besser, OK

Die Plakate der ÖVP wirken zwar schlicht, aber es gibt moderne Ansätze. Was besonders auffällt ist, dass kaum mit der Partei (auf den meisten Plakaten ist das Logo nicht einmal zu sehen), sondern fast ausschließlich mit dem Spitzenkandidaten Othmar Karas geworben wird. Sein Logo, in dem bunte Striche, die mit den Farben der österreichischen Fahne beginnen, zum Schriftzug OK führen, ist der Blickfänger der Plakate, während im Hintergrund eben jener aus verschiedenen Perspektiven zu sehen ist. Auch Othmar Karas kämpft aus Liebe zu Österreich für ein besseres Europa, dieses soll nicht nur Frieden und die Zukunft der Jungen sichern und Arbeit durch Wachstum schaffen, sondern auch Österreich selbst verbessern. Die ÖVP setzt also alles auf ihren Spitzenkandidaten, dem auf Grund seiner Erfahrung in Brüssel und durch sein seriöses Auftreten hohe Sympathiewerte zugesprochen werden. Karas soll für die ÖVP nach den letzten Wahlverlusten wohl wieder alles „OK“ machen.

ÖVP-Zusammenschau

Gegen das, wofür wir wählen!

Wofür die FPÖ steht, zeigt sich auf ihren Wahlplakaten ziemlich deutlich: gegen die EU. Wirken Grafik und Design zwar eher einfallslos, so fallen (wieder einmal) die Werbeslogans auf: Sehr verallgemeinernd werden Behauptungen aufgestellt, über andere Parteien sowie die EU geschimpft und für ein „besseres Österreich“ geworben. Vor allem bei dem Spruch „Neutralität sichert Frieden“ hat die FPÖ wohl die kleine Tatsache übersehen, dass seit es die EU gibt, in diesen Ländern kein Krieg mehr stattgefunden hat. Was genau sich allerdings ohne EU verbessern würde, wird nicht ausgeführt. Außer, dass wir dann Freiheit hätten, was ein weit gesteckter Begriff ist. Zudem wird vor allem durch die direkte Ansprache „WIR verstehen EURE Wut“ versucht auf die Bevölkerung zuzugehen und einen vertrauenserweckenden Eindruck zu vermitteln. Mit dem Slogan „Österreich rechnet ab mit Rot-Schwarz und EU“ keilt die FPÖ nach ProtestwählerInnen und versucht die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der großen Koalition und der EU für sich zu nutzen.

FPÖ-Zusammenschau

Pink ist in

Die Wahlplakate der NEOS sollen zu einem Blick über den Tellerrand anregen. Alle Forderungen sind deswegen auf dem Porzellan aufgeschrieben so zum Beispiel die Forderungen: „Transparente EU“ oder „Erasmus für alle“. Durch den pinken Hintergrund sticht das weiße Geschirr mit den prägnant formulierten Änderungsvorschlägen sowie auf einigen Plakaten die Spitzenkandidatin Angelika Mlinar schon von der Ferne ins Auge. Der Leitsatz „Auf nach Europa!“ zeigt, dass die Partei scheinbar zuversichtlich in die bevorstehende EU Wahl geht, um nicht nur frischen Wind und sauberes Geschirr sondern auch neue Blickweisen ins Parlament zu bringen.

NEOS-Zusammenschau

Quer durch das Gemüsebeet

Die Wahlplakate der Grünen zeichnen sich vorwiegend durch die originellen Motive und Fotografien aus. Die dazugehörigen Sprüche und Forderungen werfen allerdings einige Fragen auf und bieten zwar viele Interpretationsmöglichkeiten, aber keine konkreten Vorschläge. So werden beispielsweise mit dem Slogan „Für krumme Gurken, gegen krumme Geschäfte” negativen Assoziationen mit der EU reaktiviert, um das Thema Korruption anzusprechen. Ähnlich der Slogan „Mein Paradeiser darf nicht illegal werden!“, der für die westlichen Bundesländer die Tomate schützen will. Die in der Unterüberschrift angesprochene Kritik an der Saatgutverordnung geht unter, während die Erinnerungen rund um Bezeichnungskonflikte (z.B. Marmelade-Konfitüre) wieder hoch kommen. Die Grünen selbst spielten diese möglichen Quellen für Missverständnisse in bisherigen Stellungnahmen herunter. Es seien witzige Wortspiele und die WählerInnen würden das schon richtig verstehen. Die Gestaltung der Plakate ist jedoch im Vergleich zu den anderen Parteien am kreativsten und besten gelungen, auch wenn es etwas dauert bis die Botschaften der Texte gänzlich richtig verstanden werden.

Grüne-Zusammenschau

Theresa Mossgöller Theresa Mossgöller, 15 Jahre, Schülerin des Mary Ward Gymnasiums St. Pölten