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Portugal – Wenn Essen gehen zum Luxus wird

Man weiß schon lange, dass die portugiesische Wirtschaft angeschlagen ist. Aber wie gehen die Einheimischen damit um? Viele wurden durch Konkurse oder Massenkündigungen arbeitslos, andere können sich mit ihrem Gehalt keinen angemessenen Lebensstandard mehr leisten. Einer dieser Betroffenen ist Ruben Marotas.

Ruben lebte 28 Jahre lang in Lissabon und betrieb dort ein kleines Bistro, ehe er 2008 mit seiner Frau nach Österreich auswanderte. „Es hat sich sehr vieles geändert in den zwei Jahren nach der Wirtschaftskrise. Vieles wurde teurer und meine Einnahmen blieben teilweise aus. Erst in schlechten Zeiten merkt man, was für ein Luxus es ist, einfach mal einen Kaffee zu trinken oder ein Sandwich zu essen“, erzählt er.

Was Ruben in seinem Bistro durch einbrechende Einnahmen feststellen konnte, zeigt sich auch in offiziellen Statistiken. Die Kaufkraft in Portugal  ist seit 2009 von € 17.352 auf € 10.018 gesunken (Stand November  2013). Besonders aussagekräftig ist die Arbeitslosenquote. Betrug diese vor der Wirtschaftskrise 2008 noch 7,59 Prozent,  waren 2013 über 18 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit.

Für Ruben war es eine leichte Entscheidung nach Österreich zu ziehen, denn seine Schwester lebt schon länger hier. Dadurch gehört er zu der halben Million Portugiesen und Portugiesinnen, die seit 2008 das Land verließen. Seit fünf Jahren lebt er jetzt schon in Linz, wo er wie in Lissabon ein kleines Bistro betreibt. „Heute verdiene ich hier das Dreifache bei gleicher Arbeit. Ich bin glücklich“, erzählt er.

Trotzdem blickt er oft mit einem weinenden Auge zurück. Ein Großteil seiner Familie lebt nach wie vor in Portugal. Hoffnung für diese Personen gibt es wenig. Die Schulden steigen weiter an, die Wirtschaft schrumpft. Die Regierung plant weitere Sanktionen und Kürzungen. Als Ziel wurde eine Reduktion des Haushaltsdefizits von 5,5 Prozent auf 4 Prozent im Jahr 2014 genannt. Dies soll, unter anderem, durch Kürzungen der öffentlichen Renten erzielt werden.

Schon lange gibt es Kritik an dem Beitritt Portugals zur EU. Vor allem von den Einheimischen. „Meine Familie war nie gegen den Beitritt damals. Aber ich merke schon wie sich diese schwere Zeit auf die Meinung in meiner Familie auswirkt“, erklärt Ruben.

Auch von Seiten der EU wird Druck auf Portugal ausgeübt. Sie droht mit Kürzungen der Hilfszahlungen, sollten vorgegebene Ziele nicht eingehalten werden.

Die Regierung hat nun natürlich keine leichten Aufgaben. Es gilt nun, nicht nur den Unmut der Portugiesen und Portugiesinnen zu beseitigen, sondern auch Verantwortung zu übernehmen für vergangene Ereignisse, an denen man nichts mehr ändern könne.

Es wird sicher ein steiniger Weg hinaus aus der Krise, den die Regierung, die Einheimischen und die EU nur gemeinsam gewinnen können.

 

Steckbrief:

Portugal ist seit 1996 Mitglied der Europäischen Union.

Mitglied der Eurozone:  Ja

EU-Abgeordnete:  22

EU-Kommissar:   Jose Manuel Barroso (Präsident der Europäischen Kommission seit 2004)

VertreterIn im Europäischen Rat:  Pedro Passos Coelho, Premierminister

Hauptstadt:  Lissabon

EinwohnerInnenzahl:  10,6 Millionen

Fläche:  92.072 km²

Bevölkerungsdichte:   118 EinwohnerInnen pro km²

Amtssprache:  Portugiesisch

Foto by Sebastian Olényi (cc by-nc)