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„Sei frech und wild und wunderbar“ – von der schwedischen Art zu leben

Was erwartet uns in einem Land, dessen Bücherregale „Billy“ heißen und in dem es eine Tradition namens „KNUT“ gibt die darin besteht, Weihnachtsbäume aus Fenstern zu werfen?

Wie von jedem Land gibt es auch von Schweden viele Klischees und Vorstellungen in unseren Köpfen. Im Falle unseres nordeuropäischen Nachbarn  fallen diese Zuschreibungen durchwegs positiv aus. Eine traumhafte Natur, praktische/erfinderische Menschen und eine sozialgerechte Gesellschaft sind nur einige davon. Entsprechen unserer Vorstellungen jedoch auch den realen  Gegebenheiten in Schweden?

Die Schwedinnen und Schweden vermitteln, dass sie ein Volk voller Kreativität und Ideen sind. Tatsächlich ist Schweden für seine Weltoffenheit bekannt. Das bemerkenswerte an Schweden ist, dass diese Entwicklung bereits in den 60er-Jahren, begonnen hat und von einer sozialdemokratischen Alleinregierung maßgeblich geprägt war. Während die meisten anderen Länder einen konservativen Lebensstil propagierten, machte sich Schweden bereits auf den Weg sich den Ruf als besonders soziale und liberale Demokratie zu erwerben. Das spiegelt sich vor allem in der Gleichstellungspolitik von Frauen und Männern wider. Der schwedischen Politik ist es seit vielen Jahren ein großes Anliegen, Diskriminierungen aufgrund des Geschlechtes zu verhindern. Dieses Grundprinzip bleibt in  Schweden nicht nur Theorie, sondern wird im Alltag tatsächlich umgesetzt. Es gilt als Selbstverständlichkeit, dass sowohl Männer als auch Frauen, Familie und Beruf frei vereinbaren können, ohne Angst vor soziale Einbußen haben zu müssen. Die 20 jährige Emma aus Markaryd, einer kleinen Ortschaft in Südschweden, kann diese Behauptungen nur bestätigen: „ Schweden ist auf jeden Fall liberal, Homosexuelle können heiraten  und auch beide Elternteile haben die Freiheit, sich die Arbeit mit den Kindern gerecht aufzuteilen.“

Die weltweit bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Astrid Lindgren ist eine ehrwürdige Vertreterin der liberalen schwedischen Lebensweise. In ihren Kinderbüchern schuf sie Figuren die sich gegen Einschränkungen und gesellschaftliche Normen auflehnen. Durch Astrid Lindgren wurden Räuber erst salonfähig, und Kinder dazu aufgefordert „sich die Welt so zu machen wie sie ihnen gefällt“. Bemerkenswert ist, dass die Autorin bereits in der Nachkriegszeit begonnen hat ihre Bücher zu schreiben und das in Schweden wohl „keinen großen Geist gestört hat“. In konservativer ausgerichteten Ländern, war die Freude über Frau Lindgrens Botschaften mäßig. Astrid Lindgrens pädagogischer Leitsatz „Gebt den Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe, dann stellen sich die guten Manieren ganz von selbst ein“, widersprach der damals vorherrschenden Pädagogik. Anstelle von Freigeistern erwarteten sich zu dieser Zeit die meisten Eltern angepasste und folgsame Kinder.

„Jedes Kind das älter als 10 Jahre ist hat mindestens ein Astrid Lindgren Idol“, berichtet Emma. In Emmas Fall ist es niemand anderer als das freche 5-jährige Mädchen „Lotta på bråkmakargatan“. „Lotta ist cool und hat immer lustige Sachen gemacht“, schwärmt Emma welche in einem typisch schwedischen Haus wohnt, das dem der Kinder von Bullerbü ähnelt. Fahrräder klauen, aus dem Elternhaus ausziehen und sich Gehör verschaffen – das war das Leben der kleinen Lotta. Was sagt das jetzt wohl über die 20- jährige Emma aus?

Die Schwedinnen und Schweden scheinen durchwegs ein aufgeschlossenes, harmonisches sowie friedliebendes Volk zu sein. Man fragt sich was wohl die Schattenseiten unserer nordischen Nachbarn sein könnten. Am ehesten sichtbar werden diese wohl in den zahlreichen Krimis, die in den letzten Jahren in Schweden erschienen sind. Der schwedische Krimi zeigt zwar durchaus Niveau und verzichtet auf blutrünstige, unrealistische Beschreibungen und zeigt dennoch, dass auch in Schweden Gewalt und Verbrechen auf subtile Art und Weise möglich ist. Die Literatur spiegelt die Seele eines Volkes wider. Insofern zeigt es im Falle der schwedischen Krimis, dass das hochzivilisierte Land Schweden, wie überall aus Menschen mit guten und bösen Tendenzen gibt.

Steckbrief:

Schweden ist eine parlamentarische Monarchie und Mitglied des Nordischen Rates. Seit 1995 ist Schweden Teil  der Europäischen Union.

Mitglied der Eurozone: Nein

Währung: Schwedische Krone

EU-Abgeordnete: 20

Kommissarin: Cecilia Malmström (Innenpolitik)

Vertreter im Europäischem Rat: Reinfeldt Fredrik, Ministerpräsident

Hauptstadt: Stockholm

Einwohnerzahl: 9,57 Millionen

Fläche: 450.295 km²

Bevölkerungsdichte: 21 EinwohnerInnen pro km²

Amtssprache: Schwedisch

Regionale Amtssprachen: Finisch, Meänkieli, Samisch

Autochthone Minderheiten: FinnInnen,TornedalerInnen, Sami, Roma, Juden und JüdInnen

Foto: by Christian Koehn (CC BY-SA-2.0-de ), via Wikimedia Commons