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Die Slowakei – ein Land mit einer Fassade, hinter der sich viel verbirgt

Die Slowakei befindet sich mit ihrer Hauptstadt Bratislava eingebettet zwischen Österreich, Tschechien, Polen, der Ukraine sowie Ungarn und ist durch die Donau mit ihren Nachbarn verbunden. 1993 erlangte sie nach Aufspaltung der Tschechoslowakei ihre Unabhängigkeit als eigenständiger Staat. Seit 2004 darf sich das Land mit seinen 5,4 Millionen Einwohnern auch EU-Mitglied nennen, seit 2007 auch Schengenraum-Mitglied sowie seit 2009 Euroraum-Mitglied.

Doch was hat dieses doch so unauffällig wirkende Land zu bieten? Was ist faszinierend an der Slowakei? Wenn man auf der Straße Touristen fragt, was sie hierher verschlägt, kommt fast aus jedem Mund dieselbe Antwort: „Man muss es einmal gesehen haben.“ Sofort wird natürlich von meiner Wenigkeit nachgehakt: „Was genau muss man gesehen haben?“ „Ja, einfach alles. Das Land, die Berge, die Donau, die Hauptstadt, einfach die Kultur und das Leben hier.“ Gut, dann alles der Reihe nach. Stimmt, die Slowakei hat Berge. Genauer gesagt sogar eine Gebirgskette, nämlich jene der Karpaten. Diese erstreckt sich über die Nordhälfte des Landes und umfasst auch die Hohe Tatra – von mir heuer sogar besucht, mit der Erkenntnis, dass dort auch im Frühsommer eine Schneedecke liegt.

Natürlich dürfen auch die Einheimischen zu Wort kommen. Ich habe mit vielen SlowakInnen gesprochen, dabei auch erwähnt, dass ich aus Österreich bin und sie gefragt, ob und wenn ja, wo sie die Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Bratislava sehen. Die Antworten kamen zum Teil aus der Pistole geschossen. Tatsächlich sind sie sich näher als man auf den ersten Blick glauben möchte. Schuld daran ist nicht zuletzt die Donau, die die beiden Hauptstädte Wien und Bratislava auf dem Schiffsweg verbindet. Apropos Bratislava: Lässt sich der Begriff Sightseeing auch für die slowakische Hauptstadt umlegen? Das habe ich auf meinem Trip durch die Slowakei gleich mal ausprobiert. Ich habe eine Tour durch die verkehrsfreie (nicht selbstverständlich!) historische Altstadt unternommen und auch die Museen der Stadt besucht, wie zum Beispiel die Städtische Galerie Bratislava oder das Uhren- und pharmazeutische Museum. Ich hatte mir ehrlich gesagt eher Langeweile versprochen, allerdings wurde mir dabei doch wirklich nie fad.

Was ich zwar ehrlicherweise nicht gemacht habe, aber mir zumindest sagen habe lassen: Alle leidenschaftlichen Sportlerinnen und Sportler können gerne zu Fuß den Burghügel erklimmen und dort historische Austellungen sowie die Aussicht bis nach Ungarn, Österreich und die Donauebene genießen. In den Donauebenen werden nämlich verschiedenste Getreidesorten sowie auch Tabak und Trauben angebaut.

Politisch ist das Land als parlamentarische Republik zu betrachten, Ministerpräsident und Regierungschef Robert Fico ist auch der Vertreter der Slowakei im Europäischen Rat. Der Präsident wird alle fünf Jahre vom Volk gewählt, derzeit stellt Ivan Gasparovic das Staatsoberhaupt. Das Einkammerparlament der Slowakei umfasst 150 Mitglieder, die alle vier Jahren neu gewählt werden.

Was die Bevölkerung der Slowakei angeht, ist zu sagen, dass sie im Vergleich zur Tschechischen Republik wesentlich dünner besiedelt ist. Nur knapp 60 Prozent der Einwohner haben sich in Städten angesiedelt, unter denen die Hauptstadt Bratislava die größte ist. Rund 86 Prozent der Bevölkerung sind SlowakInnen, die stärkste Minderheit stellen mit fast zehn Prozent die UngarInnen, welche vorwiegend im Südwesten des Landes beheimatet sind.

Letzteren kommt besondere Aufmerksamkeit zu, auch Dank dem Minderheitensprachgesetz, das 1999 eingeführt wurde. Zweitgrößte Minderheit bilden die überwiegend in der Ostslowakei lebenden, wenig integrierten Roma. Ihr offizieller Anteil liegt bei 2 Prozent, auf Nachfrage bei diversen EU-ExpertInnen dürfte dieser aber wesentlich höher liegen. TschechInnen, RuthenInnen, UkrainerInnen und Deutsche bilden mit jeweils teils deutlich unter einem Prozent den Rest. Etwa 69 Prozent der Bevölkerung haben ein römisch-katholisches Religionsbekenntnis.

Gerade die Minderheiten sorgen in der Slowakei aber oft für ein angespanntes Verhältnis untereinander. Auf dieses Problem angesprochen, meint Europa-Urgestein Max Wratschgo in einem Interview: „Die Probleme sieht man eigentlich hauptsächlich dort, wo sie sich gegenseitig aufhetzen. Es müsste normalerweise besser werden, indem sie sich gegenseitig assimilieren. Als ich noch jung war, habe ich gelernt, dass es im Burgenland 30.000 Kroaten gibt, ebenso ist es mit den Slowenen in Kärnten.” Und die Roma: “Natürlich gibt es auch hier jene, die brav arbeiten gehen und jene, die das nicht tun – entweder, weil sie keine Arbeit finden oder nicht arbeiten gehen wollen. Aber die Situation ist auf dem Weg der Besserung”.

Steckbrief

Die Slowakei ist ein Binnenstaat mit demokratischer Regierungsform und seit 1. Jänner 2004 Mitglied der Europäischen Union. Geographisch ist die Slowakei mit ihrer Hauptstadt Bratislava in Mitteleuropa einzuordnen und grenzt an Österreich, Tschechien, Polen, die Ukraine und Ungarn. Abseits der EU ist der Staat auch Mitglied bei der NATO und seit 2007 finden gemäß dem Schengen-Abkommen keine Grenzkontrollen zu anderen EU-Staaten mehr statt.

Mitglied der Eurozone: Ja

EU-Abgeordnete: 13

Kommissar: Maroš Šefčovič (Institutionelle Beziehungen und Verwaltung)

Vertreter im Europäischer RatRobert Fico, Ministerpräsident und Regierungschef

Hauptstadt: Bratislava

EinwohnerInnenzahl: 5,4 Millionen

Fläche: 49.034 km²

Bevölkerungsdichte: 110 EinwohnerInnen pro km2

Amtssprache: Slowakisch

Regionale Amtssprachen: Deutsch, Romani, Russinisch, Tschechisch, Ukrainisch, Ungarisch