Spanien_Torremolinos_by-Gloria-van-Doorn_cc-by

Spanien – ein Staat an der Grenze zur Armut

Wer sich heute mit der spanischen Jugend unterhält, der bekommt vor allem eines zu spüren, nämlich Hoffnungslosigkeit. Angesichts der wirtschaftlichen Situation in Spanien ist auch der sonst so hohe Nationalstolz dieses Landes etwas angeschlagen. Um es in Zahlen auszudrücken: Fast 55 Prozent der Jugendlichen in diesem Krisenstaat haben keine Arbeit.

Die letzte treibende Kraft dieses Landes – die Jugend – migriert für die Aussicht auf eine bessere Zukunft. „Sobald ich mein Studium beendet habe bleibt mir nichts anderes übrig als das Land zu verlassen“, erzählt Sabrina D. aus Andalusien. Spaniens Universitäten sind zwar europaweit angesehen, dennoch garantiert ein Studienabschluss keine Arbeit. Im Gegenteil: Das Phänomen der Überqualifikation steigt stetig an, so kommt es, dass frisch promovierte DoktorInnen beispielsweise Regale in einem Supermarkt einräumen. „Contratos de basura“ (Müllverträge) werden in Spanien diese Arbeitsvereinbarungen genannt. Wie der Name schon vermuten lässt spielt Fairness keine Rolle mehr. Unterbezahlung, unbezahlte Überstunden, oder überhaupt Schwarzarbeit haben sich zur traurigen Realität entwickelt. Die Angst überhaupt keine Arbeit zu finden- und so wie viele andere Kollegen und Kolleginnen bis zum 35. Lebensjahr bei den Eltern leben zu müssen- zwingt AkademikerInnen die erste Arbeit anzunehmen, die ihnen Angeboten wird. Ob es schlauer ist in den sauren Apfel zu beißen, in der Hoffnung doch noch ein anständiges Leben in der geliebten Heimat zu führen, oder eben diese zu verlassen, darüber scheiden sich die Geister. „Ich glaube nicht, dass sich die wirtschaftliche Lage in absehbarer Zeit verbessert“, meint Sabrina D. So kommt es, dass Resignation und ein geringes Selbstbewusstsein die aufstrebende Mentalität der Jugend in Mitleidenschaft zieht.

Los botellones – Eine neue „Jugendkultur“

Als weiteres Phänomen einer verarmten Jugend kann man die sogenannten „botellones“ sehen. Geld, um mit Freunden etwas zu unternehmen, ist knapp. Deshalb haben sich die Jugendlichen in Spanien eine Alternative  einfallen lassen. Das Wort „botellones“ bedeutet im Deutschen so viel wie “große Flasche”. Die Feierlustigen treffen sich auf öffentlichen Plätzen legen Geld für Alkohol zusammen und betrinken sich anschließend. Dieser Trend ist in Spanien mittlerweile so populär geworden, dass es zu groß Versammlungen tausender Jugendlicher kommt die gemeinsam feiern. Den bisherigen Rekord dieser Saufgelagen hält die Region Sevilla in der sich 2004 über 70 000 Menschen gemeinsam berauschten. Bedauerlicherweise sinkt der Altersdurchschnitt der teilnehmenden immer weiter ab. Die Märkte schrecken meist nicht davor zurück den Alkohol an 14-Jährige zu verkaufen. Auch hier werden die Ausmaße der verlorenen Generation deutlich sichtbar.

1024px-Prohibido_El_Botellon

In einigen Städten wurde der Alkoholkonsum auf der Straße mittlerweile verboten. By Leyo CC-BY-SA-2.5-ch, via Wikimedia Commons

Spanien befindet sich momentan in einer äußerst misslichen Lage. Ob die PolitikerInnen kompetent genug sind, dieses Problem in den Griff zu bekommen, oder ob die EU es schafft, das Land wieder zu stabilisieren, darüber wird sich die Bevölkerung noch länger Sorgen machen müssen.

Steckbrief

Spanien ist seit 1986 Mitglied der EU.

Mitglied der Eurozone: Ja

EU-Abgeordnete: 54

Kommissar: Joaquín Almunia Amann (Regionalpolitik)

Vertreter im Europäischen Rat: Mariano Rajoy, Ministerpräsident

Hauptstadt: Madrid

EinwohnerInnenzahl: 46,7 Millionen

Fläche: 504.645 km²

Bevölkerungsdichte: 94 EinwohnerInnen pro km²

Amtssprache: Spanisch

Regionale Amtssprachen: Aranesisch, Asturisch, Baskisch, Galicisch, Katalanisch

Foto by Gloria van Doorn (cc by), via youthmedia.org