Yussi-Pick

Vier Fehler zum Start des SP-Wahlkampfs

Eines muss man der SPÖ schon lassen: Trotz der nicht ganz nach Plan gelaufenen KandidatInnenpräsentation – man munkelt, der Leak kommt von dem freiwillig in Pension gehenden Hannes Swoboda, der seinem Parteivorsitzenden noch einmal sagen wollte, was er von ihm hält – ist es der SPÖ mit Eugen Freund gelungen die Berichterstattung seit fast einer Woche zu dominieren. Wenn man der “all news is good news” Denkrichtung angehört, dann ist das ein gelungener Coup. Wenn man allerdings findet, dass auch wichtig ist worüber und nicht nur, dass geschrieben wird, sieht der Wahlkampfstart eher wie ein “stumbling out of the gate” aus. Aus meiner Sicht gibt es (zumindest) vier (Kommunikations-)Fehler, die der SPÖ unterlaufen sind:

Fehler 1: Auf Interne Kommunikation zu verzichten.

Werner Faymann hat offenbar irgendwann im Dezember beschlossen, dass er Freund als Spitzenkandidat will. Am 6. Jänner entschied jener, es machen zu wollen. Eine Woche später wurde die Entscheidung (zwei Tage zu früh) veröffentlicht. In der Woche zwischen Freunds “Ja” und der Veröffentlichung ist niemand in der Löwelstraße auf die Idee gekommen, den Neuen mit dem bisherigen Team an einen Tisch zu setzen. Da spreche ich noch gar nicht von der Basis oder den MitarbeiterInnen, sondern von jenen drei bis vier Menschen, die die nächsten fünf Jahren mit dem Neuen zusammenarbeiten werden. “Gespräche mit Freund habe es bisher aber keine gegeben, erklärten auch die drei weiteren EU-Abgeordneten Evelyne Regner, Karin Kadenbach und Josef Weidenholzer”, schrieb Der Standard am Tag der Bekanntgabe.

Solche Berichte wären vermeidbar gewesen, werden aber die Wahl wohl nicht entscheiden. Es zeugt aber von der unglaublichen Autokratie, mit der das System Faymann innerparteiliche Politik macht und wie wenig Augenmerk auf die “Moral der Truppen” gelegt wird.

Fehler 2: Zu glauben, ein Journalist sei automatisch Medienprofi.

Ich gebe zu: Ich hab’s mit ein bisschen Genugtuung verfolgt, dass es einen aus der – nicht immer um einen Ratschlag an PolitikerInnen bescheidenen – journalistischen Elite jetzt so „aufblattlt“. Politische Kommunikation mit Telepromter ist eben doch etwas anderes als Befragter zu sein. Die SP-StrategInnen haben sich von Freunds Erfahrung auch blenden lassen und offensichtlich nicht sehr viel Zeit in die Vorbereitung von Medienterminen gesteckt. Das bringt uns zu Fehler 3:

Fehler 3: Kein “Diese 10 Zahlen musst du wissen” Memo zu haben.

Die Frage, wie viel ein/e durchschnittliche/r österreichische/r ArbeiterIn verdient, ist keine Frage, die man nicht im Vorhinein erwarten kann. Es ist aber nur bedingt Freunds Schuld, die Antwort darauf nicht zu wissen (die Reaktion auf sein Unwissen allerdings schon). Viel mehr frage ich mich: Gibt es in der ganzen Löwelstraße wirklich keinen One-Pager, der die wichtigsten Zahlen und Fakten (Milchpreis, Durchschnittseinkommen, Anzahl der Abgeordneten, etc.) zum Auswendiglernen zusammenfasst? Stimmt schon, den/die durchschnittliche SP-WählerIn erreicht das Profil Interview wohl nicht, in dem sich Freund über die 2000 Euro brutto überrascht zeigt und seine Unschuld bezeugt. Wer aber gerade in der Anfangsphase solche Faux Pas registriert, ist die SP-Basis, besonders die für einen Wahlkampf wichtigen Gewerkschaften. Schon wieder ein Malus für die Motivation der AktivistInnen.

Fehler 4: Auf Inhalte zu verzichten oder: Freund eine Woche lang über sich selbst sprechen lassen.

Ich bin mir unschlüssig, was passiert ist: Entweder die SP hat keine EU-Inhalte, die sie in der Zeit, in der sie so viel Aufmerksam hat, kommunizieren will oder sie glaubt, es ist eine gute Idee, Eugen Freund in der ersten Runde Interviews keine einzige Inhaltliche Forderung/Position aufstellen zu lassen. Freund selbst verpasst dadurch eine Chance, sich inhaltlich zu profilieren: Anstatt dauernd sagen zu müssen, dass er eh ein Experte ist, hätte er es auch einfach zeigen können – er wird ja wohl ein Thema haben, für das er brennt.

Mir scheint – und ich bin gespannt wie er bei anderen ankommt – dass der anfängliche Quereinsteiger “Der redet nicht wie ein Politiker”-Bonus schnell verflogen ist und etwas anderes eingriff: Je länger Eugen Freund über sich selbst spricht, desto mehr merkt man, dass er schon einiges auf sich hält. Das könnte langfristig einen Stronach-Effekt haben. Die Chance, die Aufmerksamkeit zu nutzen, um auch ein Thema zu setzen, ist jedenfalls vertan.