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Wahldiskussion: „Wieso kapiert ihr nicht, dass die Reichen bluten müssen?“

Viele Jugendliche wissen gar nicht, dass Sie wahlberechtigt sind. Das war das erschreckende Ergebnis einer Eurobarometer-Umfrage, die im April vergangenen Jahres veröffentlicht wurde. Um diesem schockierenden Trend entgegenzuwirken habe ich beschlossen, zusammen mit Maximilian Lehmann, an unserer Schule für mehr als 200 SchülerInnen eine Podiumsdiskussion zu den kommenden EU-Wahlen zu organisieren.

Alle großen Parteien, bis auf die FPÖ, die sich selbst als „einzige Partei für unsere Jugend“ bezeichnet, nutzten die Chance und besuchten uns im BG & BRG Biondekgasse in Baden. Von der ÖVP kam Stefan Schnöll (26), der am zwölften Listenplatz kandidiert und somit voraussichtlich nicht im Europa-Parlament  sitzen wird. Schnöll ist Vizepräsident der Jungen Europäischen Volkspartei (YEPP) und setzt sich für den Ausbau der Mitbestimmungsmöglichkeiten innerhalb der EU ein: „Die Europäische Union muss demokratischer werden und die Bevölkerung mehr in die Entscheidungsprozesse einbinden“, meinte er. Ebenso gering stehen die Chancen für Marcus Strohmeier (41) der für die SPÖ ins Rennen geht. Momentan ist der Waldviertler Internationaler Sekretär des ÖGB. Aussichtsreicher sind hingegen die Listenplätze für Michel Reimon (43), der für die Grünen auf dem zweiten Listenplatz und Stefan Windberger (25) der für die NEOS ebenfalls an zweiter Stelle kandidiert. Vor wenigen Wochen kritisierte Reimon heftig Eugen Freund, den Spitzenkandidat der SPÖ, da dieser, so Reimon sich nur auf seine Person und nicht auf inhaltliche relevante Punkte stützt. Stefan Windberger versucht mit seiner politischen Arbeit vor allem junge Menschen mehr Gehör zu verschaffen. Geleitet wurde die Diskussion von Florian Klenk, dem Chefredakteur der Wochenzeitung Falter.

Obwohl nur vier Kandidaten anwesend waren verhärtete sich die Diskussion teilweise zu einem Streitgespräch. Strohmeier stellte ironisch die Frage in den Raum „Wieso kapiert ihr nicht, dass die Reichen bluten müssen?“ und attackierte damit vor allem Stefan Windberger, der sich für eine zunehmende Liberalisierung der Wirtschaft aussprach. Für Michel Reimon stand die Schaffung von neuen „Green Jobs“ im Vordergrund.

Die erste Hälfte der Veranstaltung moderierte Klenk. Er stellte die vier anwesenden Kandidaten kurz vor und konfrontierte sie anschließend mit kritischen Fragen. In der zweiten Hälfte stellten dann anwesende SchülerInnen der sechsten, siebten und achten Klassen Fragen.

Bildschirmfoto 2014-03-18 um 10.28.58Bemerkenswert war auch die Umfrage, die wir vor der Podiumsdiskussion durchführten. Mehr als ein Drittel (35,86 %) der 145 befragten SchülerInnen würden die Grünen und fast ein Viertel (24,83 %) die NEOS wählen. Somit entfallen bereits etwas mehr als 60 Prozent auf diese zwei Parteien. Die Freiheitlichen kämen auf 11,03 Prozent und liegen somit vor der SPÖ (7,59 %).