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Warum wir Jungen (nicht) wählen gehen

Nur knapp die Hälfte aller Jung- und ErstwählerInnen gaben bei einer im April diesen Jahres veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage an zu den kommenden Europawahlen gehen zu wollen. Doch woran liegen diese alarmierend tiefen Werte?


Unter den befragten Österreicherinnen und Österreichern zwischen 15 und 30 Jahren waren 52 Prozent der Meinung, dass die Mitglieder des Europäischen Parlaments nicht direkt gewählt würden. Weitere sieben Prozent gaben an es nicht zu wissen. Im EU-Schnitt lässt sich ein ähnliches Bild zeichnen.

59 Prozent wissen nicht, dass sie auf EU-Ebene stimmberechtigt sind

Dieses Informationsdefizit spiegelt sich auch in den Gründen wieder, die von den potentiellen Nicht-WählerInnen genannt werden. Unter den Österreichischen Befragten haben 17 Prozent eher nicht vor wählen zu gehen. Sie denken, dass ihre Stimme nichts ändern wird, fühlen sich nicht ausreichend informiert oder haben das Gefühl, dass sich das Europäische Parlament nicht ausreichend um ihre Probleme kümmert. Auch generelles Desinteresse an der  EU – und an Politik und Wahlen im Allgemeinen – ist für viele ausschlagegebend am Wahltag zu Hause zu bleiben.
 Diejenigen, die vorhaben an der Europawahl teilzunehmen, tun das vor allem deshalb, weil sie Europa und Demokratie für wichtig halten und aus Prinzip wählen gehen.

Nur 22 Prozent wollen sicher wählen gehen

Nur jeder fünfte Mann gab an, sicher wählen gehen zu wollen. Unter den Frauen hat das zumindest jede vierte vor. Ein Unterschied, der im EU-Schnitt ähnlich ausfällt. Mit höherem Bildungsabschluss steigt unter den Österreichischen JungwählerInnen auch die Wahlbeteiligung. So will nur knapp jeder zehnte derjenigen, die ihre Ausbildung bereits mit 15 Jahren beendeten, sicher wählen gehen. Unter den Studierenden sind es jedoch bereits 28 Prozent. Auch mit zunehmendem Alter wächst die Bereitschaft sich an der Wahl zu beteiligen.

Wie man die Wahlbeteiligung erhöhen kann

Auch wenn die Wahlbeteiligung bei den Europawahlen 2009 wieder leicht gestiegen ist, liegt sie noch deutlich unter der 50-Prozentmarke. Noch düsterer sah es bei den JungwählerInnen aus. Nur knapp 29 Prozent der 18- bis 24-Jährigen gaben bei der letzten Wahl ihre Stimme ab.

Laut einer weiteren Eurobarometer-Umfrage vom Frühling diesen Jahres wünscht sich die Mehrheit der Befragten mehr Information über die KandidatInnen, die Parteien und die EU-Wahlen generell. Auch mehr Wissen über den Einfluss der EU auf das tägliche Leben der Menschen könnte dazu beitragen die Wahlbeteiligung zu steigern. 
62 Prozent gehen davon aus, dass die Wahlbeteiligung größer wäre, wenn es einen einheitlichen Wahltag geben würde. Ein ebenso hoher Anteil der Befragten glaubt, dass mehr Menschen wählen gehen würden, wenn die Parteien eine Kandidatin oder einen Kandidaten als zukünftige KommissionspräsidentIn vorschlagen würden.

Die EU muss also in unserem täglichen Leben sichtbarer werden. Sowohl die handelnden Personen, als auch die Themen und Entscheidungen, mit denen sie sich tagtäglich befassen gehen zur Zeit für viele in einer undefinierbaren “Brüssel-Blase” unter. Um insbesondere Jung- und ErstwählerInnen zu informieren wurden bereits verschiedene Kampagnen und Initiativen gestartet. In ihrem Artikel „Die Basis für eine gute Wahl“, gibt Nora Kleibel einen Überblick über die Informationsangebote, die von europäischen Jugendorganisationen geschaffen wurden.

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