Was es braucht

Ich war neulich in Brüssel. Zum zweiten Mal. Eigentlich peinlich, dass eine Person, die von sich selbst findet politisch zu sein noch nie richtig in der Hauptstadt Europas war.  Liegt wohl auch daran, dass ich a) einen Gutteil meiner professionellen politischen Karriere in der anderen Welthauptstadt gelebt habe und b) ich auf Interrail vor 15 Jahren einen wirklich schlechten Eindruck von Brüssel hatte. Fast gestohlene Taschen und wegen reservierungspflichtigen Privateisenbahnen nicht aus Brüssel Wegkommen inklusive.

Jedenfalls war ich letzte Woche in Brüssel und ich fand’s erstaunlich nett. Einerseits als Stadt mit extrem vielen netten Restaurants, Bars und aufgebrochene Gehsteige, die extrem an die charmant, desolate Infrastruktur in New York erinnert. Andererseits als Hauptstadt: Die nerdige Aufregung, die man hat wenn man am Capitol Hill oder beim Weißen Haus rumläuft – die hat man auch dort. Vor allem auch weil die meisten Menschen, die – zumindest im Parlament – durch die Gänge wuseln, keine alten, grauhaarigen Anzugträger, sondern junge MitarbeiterInnen von Abgeordneten  sind (und nicht nur die ekeligen Jungen, von denen klar ist dass sie nur da sind weil sie Karriere machen wollen, weil Papi das gesagt hat).

Und da ist mir klar geworden: Es braucht nicht die übernächste Jugendkampagne, keine Informationsinitiative, oder europaweite SpitzenkandidatInnen. Was es braucht, ist ein gemeinsames Stück Popkultur. Was es braucht ist ein The West Wing/Borgen in Brüssel.

Das Setting hab ich schon im Kopf, eine erste Szene ist geschrieben. Wer schreibt den Rest mit mir?